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Drähte und Strippen

Da ich auf den Törns hin und wieder zu diesem Thema angesprochen wurde, möchte ich mich in den nächsten zwei oder drei Ausgaben der Teufelspost ein wenig zum Trimm auslassen. Ich gebe gerne zu, daß ich in diesem Punkt auch nicht der Papst bin, aber mit meinem Grundverständniss komme ich doch ganz gut klar. Anfangen möchte ich mit dem Grundtrimm des Mastes.

Geht Euch das nicht auch so? Man slippt das Boot irgendwo, stellt den Mast, bastelt alles wieder dran und dann läuft die Kiste doch irgendwie nicht. Obwohl alles so ist wie vorher. Keine Höhe, backbord schlechter als steuerbord, kurz alles Murks. Mir jedenfalls passiert das oft. Es sei denn, ich nehme mir die Zeit, den Mast systematisch zu stellen und das auch zu kontrollieren. Dabei gehe ich wie folgt vor:

Zuerst wird der Mast neben dem Boot ausgelegt und alle nötigen Drähte werden eingehängt, der Verklicker angesteckt und die Fallen ausgerollt. Die Salinge werden mit je zwei Bolzen oder Schrauben befestigt, damit der voreingestellte Winkel sich nicht verstellen kann und nix klappert. Dann den Mastfuß in die Spur einsetzen und den Mast hochwerfen (naja, so ähnlich). Soweit einfach und logisch.

Arawak auf dem BiggeseeJetzt werden erstmal nur die Oberwanten angeschlagen. Die Unterwanten bleiben abgeschlagen oder zumindest schlapp durchhängend. (Wer ein Achterstag hat - das bleibt während des gesamten Eintrimmens lose!) Das Vorstag wird eingehängt, damit der Mast nicht umfällt und nun geht die Trimmerei erst los.

Zuerst wird die Mastfußposition eingestellt. Das ist ein Erfahrungswert, den ihr auf dem Wasser ausprobieren müßt. Der Mast muß so weit nach vorne, daß das Boot auch mit leichter Krängung nur wenig luvgierig ist. Diese Position solltet ihr nachvollziehbar markieren. Nach unserer Erfahrung liegt sie eher einige Zentimeter vor der Position aus dem Bauplan.

Jetzt kommt der Mastfall. Bei den heissen Jollenklassen neigt man den Mast mit zunehmendem Wind immer weiter nach hinten, um das Gleiten zu begünstigen. Wir müssen uns natürlich mit einem Mittelwert zufrieden geben. Ich habe bei verschiedenen Schiffen ganz gute Erfahrungen mir relativ viel Mastfall gemacht, auch wenn mir die tiefere wissenschaftliche Einsicht in das Warum bisher noch fehlt. Wenn das Großfall frei herunterbaumelt, pendelt es sich etwa 40-50cm hinter dem Mastfuß ein. Dazu muß das Boot natürlich gerade stehen, möglichst noch auf dem Trailer. In dieser Position legen wir des Vorstag fest und drehen die Wantenspanner gleichmäßig an.

Die Kontrolle, ob der Mast auch gerade steht, also nicht nach steuerbord oder backbord hängt, sollte man nicht dem Augenmaß überlassen, sondern messen. Wir nehmen dazu den Schäkel des Großfall und halten ihn neben eines der Oberwantpüttings. Dann ziehen wir das Fall an und belegen es so, daß man den Schäkel mit leichtem Druck neben dem Pütting auf´s Deck drücken kann. Nun lässt sich am Pütting auf der anderen Seite leicht messen, ob der Schäkel ebenfalls das Deck trifft oder nicht. Entsprechend müssen die Wantenspanner verstellt werden, bis beide Seiten genau gleich sind.

Für die Wantenspannung gilt: je mehr, desdo mehr Höhe am Wind. Also eigentlich viel hilft viel. Natürlich hat das alles seine Grenzen, sobald man anfängt den Rumpf zu überlasten. Beim Aufriggen flitscht man für die Grundeinstellung mit dem Fingernagel an ein Want. Solange sich nur ein kurzer, dumpfer Ton ergibt, ist es zu wenig. Es sollte sich eindeutig gespannt anhören und leicht nachklingen. Beim Segeln kann man es als Steuermann ganz gut sehen. Hoch am Wind sollte sich das Vorstag bei mittlerem Wind nicht mehr als gut eine Hand breit nach Lee durchbiegen.

Jetzt ist der Zeitpunkt, zum erstenmal ein Ohr an den Lümmelbeschlag zu legen und durch die Mastnut zum Top zu peilen. Auf diese Weise kann man gut sehen, daß der Mast gerade ist. Das dient mehr der Gewissensberuhigung. Sieht er nämlich jetzt krumm aus, sind die Salinge unterschiedlich lang oder stehen in verschiedenen Winkeln zum Mast - grande Katastrophe!

Das ist aber auch der Grund, warum die Unterwanten erst jetzt angeschlagen werden. Handwarm andrehen und wieder durch die Mastnut peilen. Greift man mit einer Hand in ein Unterwant und ziehen einen leichten Bogen hinein, kann man sehr schön beobachten, wie sich der Mast seitlich krümmt oder streckt und welches Unterwant man anziehen muß, um einen gerade Mast zu erhalten. Wir fahren die Unterwanten mit etwas weniger Spannung als die Oberwanten. Dazu gibt es auch andere Meinungen. Ich mache ihn aber ungern zu steif, damit ich ihn bei mehr Wind besser biegen kann. Wer ein Achterstag hat, hat´s da leichter.

Zum Schluß spannt man das Großfall straff zum Mastfuß um die Biegung zu prüfen. Man tritt neben dem Schiff einige Schritte zurück (Vorsicht - nicht ins Hafenbecken fallen...). Der Mast sollte eine gleichmäßige, leichten Krümmung und auf Höhe der Saling ca. eine Hand breit Abstand vom gespannten Fall haben.

Erst jetzt werden der Baum angeschlagen, sowie die Schoten und die Strecker geknüpft. Was wir damit machen, sehen wir nächstesmal. Für heute steht erstmal unser Mast 1A!

Frank

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